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Zukunftstechnologien in den Innovativen Milieus
Sonderthema 2026
Zukunftstechnologien in den deutschen Branchen

Ergebnisse vertieft

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1. Die Innovationsdynamik lässt weiter nach

Die dritte Erhebungswelle der Innovativen Milieus zeigt eine strukturelle Verschiebung in der deutschen Unternehmenslandschaft. Der Anteil der innovationsstarken Unternehmen ist seit 2019 kontinuierlich gesunken. 2026 gehören nur noch 13 Prozent der Unternehmen zu den Leader-Milieus. 2019 lag dieser Anteil noch bei rund einem Viertel der Unternehmen.

Parallel dazu ist der innovationsferne Bereich deutlich gewachsen. Der Anteil der Zufälligen Innovatoren und der Unternehmen ohne Innovationsfokus liegt inzwischen bei nahezu 40 Prozent (2019: 27 Prozent). Innovation verliert damit in der Breite an strategischer Verankerung.

Der aggregierte Innovationsinput – also das innovative Profil der Unternehmen auf der Grundlage von Aspekten von Wettbewerbsstellung, Kultur, Kompetenz, Vernetzung und Organisation – liegt 2026 weiterhin unter dem Niveau von 2019. Besonders strategische und organisatorische Elemente haben sich nicht erholt.

Auch beim Innovationsoutput zeigt sich eine Verschiebung. Während einzelne mittlere Milieus ihren Output gegenüber 2023 stabilisieren oder leicht steigern konnten, erreichen die innovationsstarken Leader-Milieus nicht mehr das Niveau früherer Erhebungen. Innovationserfolg verteilt sich damit breiter, allerdings auf insgesamt niedrigerem strukturellem Niveau. Die Dynamik an der Spitze nimmt ab, ohne dass dies durch eine gleichwertige Aufwärtsbewegung in der Breite kompensiert wird.

In allen vier von uns erhobenen Innovationskategorien – Produkt-, Prozess-, Organisations- und Marketinginnovation – ist der Output heute niedriger als 2019.

2. Die industrielle Dominanz an der Spitze bricht auf

Die Zusammensetzung der Innovationsspitze hat sich im Zeitverlauf deutlich verändert. Während 2019 industrielle Kernbranchen einen wesentlichen Teil der Technologieführer stellten, zeigt die aktuelle Erhebung 2026 eine klare Verschiebung innerhalb der Milieustruktur.

Wissensintensive Dienstleistungen und die IT-Wirtschaft sind heute deutlich stärker im Milieu der Technologieführer vertreten als noch in der ersten Erhebungswelle. Gleichzeitig ist der Anteil klassischer Industrieunternehmen in diesem Spitzenmilieu zurückgegangen.

Parallel dazu ist eine gegenläufige Bewegung zu beobachten: Industrieunternehmen finden sich heute häufiger im Milieu der Forschungsorientierten Innovatoren (vormals Disruptive Innovatoren), das 2026 den zweiten Rang innerhalb der Innovationshierarchie einnimmt. Die industrielle Innovationsbasis verschwindet damit nicht, sie verlagert sich jedoch strukturell innerhalb der Milieulandschaft.

Die heutigen Technologieführer sind zudem häufiger kleiner, jünger und stärker digital geprägt als noch 2019. Demgegenüber bleiben die Forschungsorientierten Innovatoren stärker industriegeprägt, größer und organisatorisch strukturierter. Die Innovationsspitze wird damit nicht nur kleiner, sondern auch heterogener – und weniger eindeutig industriell dominiert als noch zu Beginn der Studienreihe.

Die Innovationslandschaft verändert sich somit nicht nur im Umfang, sondern auch in ihrer sektoralen und strukturellen Verankerung.

3. Innovation wird vorsichtiger

Ein zentrales Ergebnis der aktuellen Erhebung ist das Verschwinden des früheren Milieus der „Disruptiven Innovatoren“. Radikale Innovationsorientierung ist im Vergleich zu 2019 deutlich seltener ausgeprägt.

Dies wird besonders deutlich bei der Frage, ob Unternehmen an Innovationsprojekten arbeiten, die ihr Geschäftsmodell wesentlich verändern oder neue Geschäftsfelder eröffnen könnten. Die entsprechenden Antworten zeigen im Zeitvergleich einen klaren Rückgang radikaler Innovationsambitionen – insbesondere außerhalb der innovationsstarken Spitze.

Diese Verschiebung schlägt sich auch im Innovationsoutput nieder. Während radikale Vorhaben seltener werden, konzentrieren sich die Innovationsaktivitäten stärker auf Produkt- und Prozessinnovationen, also auf die Weiterentwicklung und Optimierung bestehender Angebote und Abläufe.

Zugleich gewinnt 2026 die interne Modernisierung an Gewicht: Organisationsinnovationen liegen vor allen anderen Innovationsarten. Innovation wird damit stärker als Anpassung und strukturelle Erneuerung innerhalb bestehender Geschäftsmodelle verstanden.

Der Innovationsoutput verteilt sich breiter auf verschiedene Milieus, ohne dass die Spitze an Dynamik gewinnt. Insgesamt ist die Innovationsdynamik über alle drei Untersuchungspunkte, 2019, 2023 und 2026, hinweg vorsichtiger geworden– und wird immer weniger durch die Suche nach grundlegender Neuausrichtung geprägt.

4. Digitale Schlüsseltechnologien gewinnen branchenübergreifend an Bedeutung

Die Sonderbefragung zu 13 Schlüsseltechnologien zeigt eine klare Dynamik bei digitalen Technologien. Bei den Technologieführern geben über 50 Prozent an, Künstliche Intelligenz und Maschinelles Lernen intensiv zu nutzen. Für die kommenden fünf Jahre erwarten dort nahezu alle Unternehmen eine hohe strategische Relevanz dieser Technologien.

Auch das Internet der Dinge, Cybersecurity sowie Virtuelle und erweiterte Realität gewinnen branchenübergreifend an Bedeutung. Digitale Technologien entwickeln sich zunehmend zur technologischen Grundausstattung vieler Unternehmen.

Im Branchenvergleich zeigen wissensintensive Dienstleistungen besonders hohe Reifegrade im digitalen Bereich. Klassische Industriebranchen wie Maschinenbau sowie Chemie, Pharma und Kunststoff weisen jedoch insgesamt die höchste technologische Tiefe bei der Nutzung von Schlüsseltechnologien auf – insbesondere dort, wo digitale Anwendungen mit komplexen physischen oder forschungsintensiven Technologien kombiniert werden.

Die Analyse macht deutlich: Digitale Technologien verbreiten sich relativ breit, während hohe technologische Reifegrade vor allem dort erreicht werden, wo langfristige Investitionen, spezialisierte Kompetenzen und strategische Ausrichtung zusammentreffen – Merkmale, die insbesondere in innovationsstarken Unternehmen ausgeprägt sind.

5. Zukunftstechnologien bleiben ein Thema für wenige

Während digitale Schlüsseltechnologien zunehmend branchenübergreifend diffundieren, bleibt die intensive Nutzung anspruchsvoller Deep-Tech- und Green-Tech-Anwendungen auf eine vergleichsweise kleine Gruppe technologisch starker Unternehmen konzentriert.

Technologien wie CO₂-Abscheidung und -Speicherung oder andere forschungsintensive Hochtechnologien erreichen selbst in innovationsstarken Milieus deutlich geringere Nutzungsanteile als digitale Anwendungen. Ihre Umsetzung erfordert hohe Investitionen, spezialisierte Kompetenzen und langfristige strategische Orientierung.

Auch im Bereich Kreislaufwirtschaft und nachhaltige Materialien sind Fortschritte sichtbar – insbesondere in technologieintensiven Branchen wie Maschinenbau sowie Chemie, Pharma und Kunststoff. Dennoch bleibt die Durchdringung insgesamt selektiv und erreicht nicht die Breite digitaler Technologien.

Die Ergebnisse zeigen damit eine klare Differenzierung: Digitale Technologien entwickeln sich zur Grundausstattung, während komplexe Deep- und Green-Tech-Anwendungen vor allem dort vorangetrieben werden, wo hohe technologische Kompetenz und strategische Investitionsbereitschaft zusammentreffen.