Milieu #02:
Forschungsorientierte Innovatoren
- Auf den Punkt
- Wer sind die Forschungsorientierten Innovatoren?
- Der Innovationserfolg der Forschungsorientierten Innovatoren
- Das Innovationsprofil der Forschungsorientierten Innovatoren
- Forschungsorientierte Innovatoren – Relevanz von Schlüsseltechnologien
- Die Forschungsorientierten Innovatoren im Profil
Auf den Punkt
Die Forschungsorientierten Innovatoren markieren 2026 einen Bruch in der Innovationslandschaft. Das frühere Milieu der Disruptiven Innovatoren ist nicht mehr identifizierbar; die Suche nach Sprunginnovationen hat deutlich an Bedeutung verloren. An seine Stelle tritt ein Milieu, dessen Innovationsaktivitäten primär auf klassische Forschung und Entwicklung, technologische Absicherung und die Weiterentwicklung bestehender Geschäftsmodelle ausgerichtet sind und das vor allem von etablierten Unternehmen aus industriell geprägten Branchen getragen wird.
Wer sind die Forschungsorientierten Innovatoren?
Die Forschungsorientierten Innovatoren machen 2026 rund acht Prozent aller Unternehmen aus, nachdem ihr Anteil 2019 bei rund 19 Prozent und 2023 bei etwa zwölf Prozent lag, womit sich der deutliche Rückgang dieses Milieus im Zeitverlauf fortsetzt.
Das Milieu wird 2026 vor allem von etablierten Unternehmen aus klassischen Industriebranchen getragen und nicht mehr – wie in früheren Erhebungen – von industrienahen Dienstleistern dominiert, insbesondere mit Schwerpunkten in der Metall- und Elektroindustrie, im Maschinenbau sowie in der Chemie- und Pharmabranche.
Die Forschungsorientierten Innovatoren beschäftigen 2026 im Durchschnitt 75 Mitarbeitende und bestehen damit aus vergleichsweisen großen Unternehmen.
Mit einem durchschnittlichen Unternehmensalter von 42 Jahren sind die Forschungsorientierten Innovatoren das älteste Milieu im Vergleich der sieben Innovativen Milieus.
Der Innovationserfolg der Forschungsorientierten Innovatoren
Die Forschungsorientierten Innovatoren weisen 2026 einen weiterhin überdurchschnittlichen Innovationsoutput auf, verlieren jedoch im Vergleich zu früheren Erhebungen an relativer Stärke. Während dieses Milieu 2019 noch zu den innovationsstärksten Gruppen zählte, zeigt sich im Zeitverlauf ein kontinuierlicher Rückgang des Innovationsoutputs. Auch 2026 gelingt keine Rückkehr zu früheren Niveaus, was die veränderte Rolle des Milieus innerhalb der Innovationslandschaft unterstreicht.
Der Innovationsoutput der Forschungsorientierten Innovatoren ist 2026 deutlich auf Produktinnovationen konzentriert. Diese werden häufiger realisiert als im Durchschnitt aller Unternehmen und prägen weiterhin das Innovationsprofil des Milieus. Demgegenüber fallen Prozess-, Organisations- und Marketinginnovationen schwächer aus. Der Innovationserfolg der Forschungsorientierten Innovatoren ist damit weniger breit aufgestellt als bei den Technologieführern und stärker auf klassische, forschungsbasierte Innovationsformen fokussiert. Dies spiegelt die zunehmende Orientierung auf technologische Weiterentwicklung bestehender Produkte wider, während ganzheitlichere Innovationsansätze an Bedeutung verloren haben.
Das Innovationsprofil der Forschungsorientierten Innovatoren
Jedes Innovative Milieu zeichnet sich durch ein spezifisches Innovationsprofil aus. Denn die Milieus bestehen aus Unternehmen, die ähnliche Schwerpunkte in der Art setzen, wie sie zu Innovationen kommen. Das spezifische Innovationsprofil eines Milieus setzt sich aus den Faktoren zusammen, die die Unternehmen des Milieus bewusst einsetzen, um innovativ zu sein. Dazu gehören etwa die innerbetriebliche Organisation von Innovationsprozessen oder die Offenheit für Kooperationen mit der Wissenschaft. Daneben gibt es weitere Faktoren wie die spezifischen Bedingungen des wettbewerblichen Umfelds, in dem sich die Unternehmen bewegen.
Wir haben die Forschungsorientierten Innovatoren und die Unternehmen der übrigen Milieus detailliert nach allen Faktoren befragt. Aus den Antworten ergibt sich das spezifische Innovationsprofil des jeweiligen Milieus. Zur besseren Verständlichkeit gliedern wir hier in drei Dimensionen: „Stellung im Wettbewerb“, „Vernetzung und Organisation“ sowie „Kultur und Kompetenz“.
Das Innovationsprofil der Forschungsorientierten Innovatoren ist 2026 durch eine Rückbesinnung auf klassische forschungsbasierte Innovationslogiken geprägt. Während dieses Milieu in früheren Erhebungen – als wir es noch als Disruptive Innovatoren betitelt haben – durch eine hohe Dynamik und Offenheit gegenüber neuen Geschäftsmodellen gekennzeichnet war, zeigen sich nun deutlich veränderte Schwerpunktsetzungen in allen drei Dimensionen des Innovationsinputs.
Stellung im Wettbewerb
Die Forschungsorientierten Innovatoren sichern ihre Wettbewerbsposition primär über technologische Kompetenz und formalisierte Forschung und Entwicklung. Innovationen dienen vor allem der Weiterentwicklung bestehender Produkte und der technologischen Absicherung etablierter Marktpositionen. Die Bedeutung von Innovation als strategischem Instrument zur Erschließung neuer Geschäftsfelder oder zur grundlegenden Veränderung bestehender Geschäftsmodelle nimmt hingegen ab. Damit verschiebt sich die Wettbewerbslogik dieses Milieus zunehmend von explorativer Suche hin zu inkrementeller, technologiegetriebener Optimierung.
Vernetzung und Organisation
Im Bereich Vernetzung und Organisation zeichnen sich die Forschungsorientierten Innovatoren durch Abschottung aus. Externe Kooperationen haben kaum Bedeutung, insbesondere die Zusammenarbeit mit Start-ups, Kunden und anderen Unternehmen. Innovationsaktivitäten werden stärker intern gebündelt, formalisiert und zentral gesteuert. Die Innovationsorganisation orientiert sich damit wieder an klassischen industriellen Forschungsstrukturen und weniger an offenen oder netzwerkbasierten Innovationsansätzen, so wie es bei den Disruptiven Innovatoren noch der Fall war.
Kultur und Kompetenz
Auch bei Kultur und Kompetenz ist ein Wandel erkennbar. Partizipative Elemente, bereichsübergreifende Zusammenarbeit und experimentelle Suchprozesse treten in den Hintergrund. Innovationskompetenz konzentriert sich stärker auf spezialisierte Forschungs- und Entwicklungsfunktionen, während breit angelegte Qualifizierungs- und Beteiligungsformate an Bedeutung verlieren. Insgesamt zeigt sich eine Verengung der Innovationskultur, die zwar technologische Tiefe sichert, jedoch die Vielfalt und Offenheit des Innovationsprozesses reduziert.
Forschungsorientierte Innovatoren – Relevanz von Schlüsseltechnologien
Die Forschungsorientierten Innovatoren weisen ebenfalls eine hohe Technologieaffinität auf, ihr Profil unterscheidet sich jedoch deutlich von dem der Technologieführer. Die Nutzung und Relevanz von Künstlicher Intelligenz und Maschinellem Lernen, Internet der Dinge sowie weiteren digitalen Technologien liegt über dem Durchschnitt aller Unternehmen, erreicht aber nicht die Breite und Intensität des führenden Milieus. Charakteristisch ist eine stärker forschungs- und produktionsnahe Nutzung von Technologien, die eng an bestehende industrielle Wertschöpfungslogiken gekoppelt ist und weniger auf experimentelle oder marktnahe Anwendungen zielt.
Im Unterschied zu den Technologieführern fällt die Zukunftsdynamik bei digitalen Technologien moderater aus. Zwar erwarten auch die Forschungsorientierten Innovatoren einen Bedeutungszuwachs, insbesondere bei Künstlicher Intelligenz und Maschinellem Lernen, die Entwicklung verläuft jedoch weniger sprunghaft. Dies deutet auf eine stärkere inkrementelle Weiterentwicklung bestehender technologischer Kompetenzen hin, statt auf einen breiten strategischen Ausbau neuer digitaler Anwendungsfelder.
Im Bereich Green Tech und Nachhaltigkeit zeigen die Forschungsorientierten Innovatoren ein vergleichsweise ausgeprägtes Engagement. Nachhaltige Energieerzeugung und -speicherung sowie Kreislaufwirtschaft und nachhaltige Materialien sind in diesem Milieu bereits heute relevant und gewinnen perspektivisch weiter an Bedeutung. Auch CO₂-Abscheidung und Klimaschutztechnologien spielen hier – stärker als in den meisten anderen Milieus – eine Rolle, bleiben jedoch ein spezialisiertes Technologiefeld. Insgesamt positionieren sich die Forschungsorientierten Innovatoren als Milieu mit hoher technologischer Tiefe, dessen Green-Tech-Orientierung stärker aus industrieller Forschung und Regulierungserfordernissen gespeist wird als aus marktgetriebener Skalierung.
Die Forschungsorientierten Innovatoren im Profil