Auf den Punkt
Die Passiven Umsetzer stehen für ein reaktives Innovationsverständnis. Innovationsaktivitäten entstehen hier vor allem als Anpassung an externe Anforderungen und weniger aus eigener strategischer Ambition. Das Milieu wird überwiegend von industrienahen Unternehmen getragen, die in etablierten Wertschöpfungsstrukturen eingebunden sind und Innovation primär nachvollziehen, statt sie aktiv voranzutreiben.
Wer sind die Passiven Umsetzer?
Die Passiven Umsetzer machen 2026 rund 18 Prozent aller Unternehmen aus, nachdem ihr Anteil 2019 bei rund 19 Prozent und 2023 bei etwa 15 Prozent lag, womit sich ein moderater Rückgang gegenüber 2019 auf niedrigerem Niveau verstetigt.
Die stärkste Branche im Milieu der Passiven Umsetzer ist die Metall- und Elektroindustrie mit einem Anteil von 26 Prozent gefolgt von weiteren klassischen Industriebranchen, und agiert überwiegend in etablierten Markt- und Wertschöpfungsstrukturen, ohne diese aktiv weiterzuentwickeln.
Die Passiven Umsetzer beschäftigen 2026 im Durchschnitt 26 Mitarbeitende.
Mit einem durchschnittlichen Unternehmensalter von 40 Jahren zählen die Passiven Umsetzer zu den älteren Milieus der sieben Innovativen Milieus.
Der Innovationserfolg der Passiven Umsetzer
Die Passiven Umsetzer zählen in der dritten Befragungswelle zu den leistungsschwächsten Milieus im Hinblick auf die Innovationsaktivitäten. In sämtlichen Innovationsarten liegt ihr Mittelwert unter dem Durchschnitt der Gesamtstichprobe. Ausnahme sind die Marketinginnovationen. Hier liegen die Passiven Umsetzer gleichauf mit dem Durchschnitt aller Unternehmen. Insgesamt deutet diese auf eine geringe Innovationsdynamik des Milieus hin. Entsprechend ist der Innovationsoutput nach einer Verbesserung von der ersten zur zweiten Befragungswelle 2026 wieder rückläufig und liegt aktuell bei 29 Prozent (2023: 36 Prozent) – damit bleibt das Milieu unter dem Durchschnitt aller Unternehmen (33 Prozent).
Der Rückgang zeigt sich in drei von vier Innovationsarten. Besonders deutlich fällt er bei den Produktinnovationen aus: Der Anteil der Unternehmen mit entsprechenden Aktivitäten sinkt von 50 Prozent (2023) auf 40 Prozent (2026). Auch bei den Prozessinnovationen ist der Rückgang erheblich (von 41 Prozent auf 27 Prozent). Bei den Organisationsinnovationen ist der Rückgang geringer, aber ebenfalls sichtbar; mit 38 Prozent liegt dieser Wert weiterhin klar unter dem Durchschnitt der Gesamtstichprobe (44 Prozent). Ein positiver Trend zeigt sich ausschließlich bei den Marketinginnovationen: Hier steigt der Anteil von 23 Prozent (2023) auf 30 Prozent (2026) – und liegt damit gleichauf mit dem Durchschnitt aller Unternehmen
Das Innovationsprofil der Passiven Umsetzer
Jedes Innovative Milieu zeichnet sich durch ein spezifisches Innovationsprofil aus. Denn die Milieus bestehen aus Unternehmen, die ähnliche Schwerpunkte in der Art setzen, wie sie zu Innovationen kommen. Das spezifische Innovationsprofil eines Milieus setzt sich aus den Faktoren zusammen, die die Unternehmen des Milieus bewusst einsetzen, um innovativ zu sein. Dazu gehören etwa die innerbetriebliche Organisation von Innovationsprozessen oder die Offenheit für Kooperationen mit der Wissenschaft. Daneben gibt es weitere Faktoren wie die spezifischen Bedingungen des wettbewerblichen Umfelds, in dem sich die Unternehmen bewegen.
Wir haben die Passiven Umsetzer und die Unternehmen der übrigen Milieus detailliert nach allen Faktoren befragt. Aus den Antworten ergibt sich das spezifische Innovationsprofil des jeweiligen Milieus. Zur besseren Verständlichkeit gliedern wir hier in drei Dimensionen: „Stellung im Wettbewerb“, „Vernetzung und Organisation“ sowie „Kultur und Kompetenz“.
Das Innovationsprofil der Passiven Umsetzer ist 2026 durch eine weiter abnehmende strategische Innovationsorientierung gekennzeichnet. Innovation verliert in diesem Milieu zunehmend an Bedeutung als gestaltendes Element der Unternehmensentwicklung und wird vor allem als reaktive Anpassungsleistung verstanden. Entsprechend zeigen sich in allen drei Dimensionen des Innovationsinputs deutliche Schwächungen.
Stellung im Wettbewerb
Die Passiven Umsetzer nutzen Innovation 2026 nur noch eingeschränkt als Instrument zur Sicherung ihrer Wettbewerbsposition. Innovationsaktivitäten entstehen überwiegend als Reaktion auf äußere Anforderungen – etwa durch Kunden, Auftraggeber oder regulatorische Vorgaben – und weniger aus einer eigenständigen strategischen Zielsetzung heraus. Die Erschließung neuer Geschäftsfelder oder die aktive Weiterentwicklung bestehender Geschäftsmodelle spielt kaum eine Rolle. Wettbewerbsfähigkeit wird primär über Kostenkontrolle, operative Stabilität und Anpassung innerhalb bestehender Marktstrukturen angestrebt.
Vernetzung und Organisation
Im Bereich Vernetzung und Organisation zeigt sich eine deutliche Erosion der innovationsbezogenen Strukturen. Sowohl externe Kooperationen als auch interne Austauschformate nehmen weiter ab. Innovationsprozesse sind – sofern sie überhaupt initiiert werden – nur schwach formalisiert und werden zunehmend isoliert innerhalb einzelner Unternehmensbereiche bearbeitet. Anreizsysteme zur Förderung innovativen Handelns verlieren an Bedeutung, wodurch Innovationsaktivitäten weiter an Sichtbarkeit und Priorität einbüßen. Insgesamt entfernen sich die Passiven Umsetzer zunehmend von kooperativen und systematisch organisierten Innovationsprozessen.
Kultur und Kompetenz
Auch in der Dimension Kultur und Kompetenz bleibt das Innovationsprofil der Passiven Umsetzer 2026 schwach ausgeprägt. Beteiligung der Beschäftigten, Qualifizierungsmaßnahmen und der gezielte Aufbau innovationsbezogener Kompetenzen spielen eine untergeordnete Rolle. Innovationskompetenz wird weder systematisch aufgebaut noch aktiv weiterentwickelt. Die Unternehmenskultur bietet damit nur begrenzt Anknüpfungspunkte für eigeninitiatives oder experimentelles Innovationshandeln. Diese kulturelle Schwäche verstärkt die insgesamt reaktive Innovationshaltung des Milieus und trägt dazu bei, dass Innovationspotenziale nur selten ausgeschöpft werden.
Passive Umsetzer – Relevanz von Schlüsseltechnologien
Die Passiven Umsetzer weisen bei Deep- und Green-Tech-Technologien insgesamt eine geringe und rückläufige Technologieaffinität auf. Digitale Technologien wie Künstliche Intelligenz und Maschinelles Lernen oder das Internet der Dinge spielen für dieses Milieu nur eine untergeordnete Rolle und liegen überwiegend unter dem Durchschnitt aller Unternehmen. Technologische Anwendungen werden hier vor allem reaktiv eingesetzt, etwa als Antwort auf konkrete Anforderungen von Kunden oder regulatorische Vorgaben, nicht jedoch als Bestandteil einer eigenständigen technologischen Strategie.
Auch mit Blick auf die kommenden fünf Jahre bleibt die technologische Entwicklungsperspektive verhalten. Zwar erwarten einzelne Unternehmen eine steigende Relevanz digitaler Technologien, insgesamt fällt die Dynamik jedoch deutlich schwächer aus als in allen innovationsnäheren Milieus. Dies deutet auf eine begrenzte Bereitschaft und Fähigkeit hin, neue Technologien systematisch zu integrieren oder strategisch weiterzuentwickeln. Technologischer Wandel wird in diesem Milieu eher nachvollzogen als aktiv gestaltet.
Im Bereich Green Tech und Nachhaltigkeit zeigt sich ein ähnliches Muster. Nachhaltige Energieerzeugung und -speicherung sowie Kreislaufwirtschaft und nachhaltige Materialien sind zwar für einige Unternehmen relevant. Immerhin erreicht das Milieu hier sowohl in der gegenwärtigen als auch der erwarteten Nutzung Werte, die über dem Durchschnitt aller Unternehmen liegen. CO₂-Abscheidung und Klimaschutztechnologien spielen praktisch keine Rolle. Insgesamt bleibt das Green-Tech-Profil der Passiven Umsetzer fragmentiert und stark von externen Impulsen abhängig. Dies verstärkt die Einordnung des Milieus als technologisch reaktiv, mit begrenztem eigenen Gestaltungsspielraum im Umgang mit komplexen Zukunftstechnologien.
Die Passiven Umsetzer im Profil