Kernergebnisse im Zeitverlauf 2019 bis 2026
Der Blick auf drei Erhebungswellen zeigt eine klare Entwicklung: Die Innovationslandschaft in Deutschland verändert sich – und sie verändert sich strukturell. Was 2019 noch als breite, ambitionierte Innovationsbasis erschien, ist 2026 deutlich differenzierter – und in Teilen fragiler.
Zwischen 2019 und 2026 hat sich die deutsche Innovationslandschaft neu sortiert. Die Innovationsspitze wird schmaler, innovationsferne Milieus wachsen, und technologische Tiefe konzentriert sich auf wenige Akteure. Gleichzeitig zeigen einzelne Milieus, dass Aufholbewegungen möglich sind. Entscheidend wird sein, ob es gelingt, Innovationsfähigkeit wieder breiter zu verankern – und die Distanz zwischen Spitze und Breite zu verringern.
Die Spitze wird schmaler
Der Anteil innovationsstarker Unternehmen ist seit 2019 kontinuierlich gesunken. Die Gruppe der Technologieführer und der Forschungsorientierten Innovatoren ist heute deutlich kleiner als noch vor wenigen Jahren. Innovationsführerschaft wird zur Nische.
Gleichzeitig wächst der Anteil jener Unternehmen, für die Innovation nicht zum strategischen Kern gehört. Zufällige Innovatoren und Unternehmen ohne Innovationsfokus vereinen inzwischen einen erheblichen Teil der Unternehmenslandschaft auf sich. Innovation findet hier statt – aber selten systematisch, selten strategisch und meist mit begrenzter technologischer Tiefe.
Diese Verschiebung verändert das Gesamtbild: Die Innovationslandschaft wird nicht homogener, sondern polarisiert sich.
Innovationsanstrengungen gehen zurück – Erfolge entstehen differenzierter
Über alle Unternehmen hinweg sind die Innovationsanstrengungen rückläufig. Weniger strategische Fokussierung, weniger ausgeprägte Innovationskultur, geringere Vernetzungsintensität – insbesondere zwischen 2019 und 2023 hat die Innovationsbereitschaft spürbar nachgelassen und sich bis 2026 nicht vollständig erholt.
Beim Innovationserfolg zeigt sich ein differenzierteres Bild. Während die innovationsstarken Milieus stagnieren oder leicht verlieren, steigern einzelne Gruppen aus der Mitte ihre Ergebnisse deutlich. Besonders die Konservativen und die Zufälligen Innovatoren konnten ihren Output spürbar erhöhen – teils bei nur moderat steigendem Input.
Das deutet auf eine zentrale Erkenntnis hin: Nicht die absolute Höhe der Investitionen entscheidet, sondern deren strategische Ausrichtung. Klare Innovationsstrategien, gezielte Kooperationen und Kompetenzaufbau wirken stärker als bloße Ressourcenausweitung.
Innovationsprofile verändern sich
Nicht nur die Größenverhältnisse der Milieus verschieben sich – auch ihr inneres Profil wandelt sich.
Die Technologieführer sind heute jünger, kleiner und stärker digital geprägt als noch 2019. Klassische industrielle FuE-Dominanz tritt zurück, marktnahe und digitale Innovationsformen gewinnen an Gewicht. Innovationsführerschaft entsteht zunehmend in wissensintensiven Dienstleistungen und technologieorientierten Geschäftsmodellen.
Die Forschungsorientierten Innovatoren hingegen haben sich in Richtung größerer, industriell geprägter Unternehmen entwickelt. Produktzentrierte Forschung und formalisierte Strukturen dominieren stärker, während partizipative Innovationskultur und externe Öffnung an Bedeutung verlieren. Das Innovationsverständnis wird kontrollierter, weniger disruptiv.
Innovation verändert also nicht nur ihr Ausmaß, sondern auch ihren Charakter.
Abwärtsmobilität überwiegt
Die Bewegungen zwischen den Milieus unterstreichen diese Entwicklung. In den vergangenen Jahren haben sich deutlich mehr Unternehmen in innovationsfernere Milieus bewegt als umgekehrt. Besonders Unternehmen aus der Innovationsspitze sind schrittweise nach unten gewandert.
Diese Dynamik zeigt: Innovationsstärke ist kein stabiler Zustand. Sie muss aktiv erhalten und weiterentwickelt werden. Wo strategische Fokussierung, Vernetzung oder technologische Ambition nachlassen, folgt häufig eine graduelle Abwärtsbewegung.
Gleichzeitig belegen einzelne Aufwärtsbewegungen, dass Veränderung möglich bleibt. Milieus mit zuvor geringer Innovationsausprägung konnten ihre Position teilweise verbessern – vor allem dort, wo in Kultur, Kompetenz und Organisation investiert wurde.
Eine wachsende Spreizung
In der Gesamtschau entsteht ein Bild zunehmender Spreizung. Digitale Basistechnologien sind zwar inzwischen breit etabliert, doch komplexe, wettbewerbskritische Technologien konzentrieren sich auf einen kleiner werdenden Kreis von Unternehmen. Die technologische Tiefe ist ungleich verteilt.
Damit wird die Innovationsfrage zur Strukturfrage: Nicht nur ob innoviert wird, sondern von wem – und mit welcher technologischen Substanz.